Als Beispiel für funktionierende Innendämmung sei heir ausführlicher das Beispiel der Innendämmung mit Calciumsilikat-Dämmplatten und Lehmputz bei Fachwerkbauten angeführt.

Lehmputz und dampfdiffusionsoffene Dämmplatten

-die idealen bauphysikalischen Partner

 

Bei solchen Fachwerkobjekten sind nicht nur die Anforderungen des Denkmalschutzes zu erfüllen, sondern zuerst die bauphysikalischen Belange. Das Objekt darf nicht kaputt saniert werden, wie viele Objekte in der Vergangenheit, sondern soll alle modernen Aspekte der energetischen Sanierung erfüllen. Dass dies auch mit Innendämmung selbst bis zum Passivhaus-Standard möglich ist, zeigen vom Passivhaus Institut geprüfte Gebäude.

Im aktuellen Fall gingen die beiden Baustoffe Lehmputz und Calciumsilikat-Dämmplatte eine Symbiose ein, die bei genauer Betrachtung der physikalischen Eigenschaften folgerichtig ist. Beide Baustoffe vermögen Feuchtigkeit in Dampfform aufzunehmen und auch wieder abzugeben. Und dieser Vorgang ist reversibel und wird nicht durch Karbonatisierung und dadurch bedingte Kapillarporenreduktion nach einiger Zeit beendet. Die Grafik zeigt, dass pro m² und bei 10cm Putzdicke bis zu 100g/m² Feuchtigkeit aufgenommen und auch wieder abgegeben werden kann.

In Verbindung mit den Dämmplatten von multipor kann somit ein System geschaffen werden, wo Feuchtigkeit in Form von Dampf transportiert und auch kurzfristig gespeichert werden kann.

Damit das Gesamtsystem auch so funktionieren kann, sind jedoch einige bauphysikalische notwendige Vorarbeiten zu erfüllen.

Dazu gehört zu allererst ein funktionierender Schlagregenschutz der Außenfassade (siehe auch WTA-Merkblatt E-8-1-03/D). Dies schließt aber auch ein, dass der Dampftransport durch das Fachwerk weiterhin möglich ist, denn eine Innendämmung kann den Trocknungsverlauf nach einem Schlagregenereignis gravierend beeinflussen. Bei einem Wandaufbau ohne Dämmung kann die Feuchte nach beiden Richtungen, also auch zur Raumseite hin, austrocknen. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn die Fassade keinen modernen Schlagregenschutz aufweist. Zusätzlich senkt die Innendämmung, außer im Hochsommer, das Temperaturniveau des dahinter liegenden Mauerwerks, was auch die Trocknung nach außen verlangsamt. Aus diesem Grund sollte versucht werden den sd-Wert der raumseitigen Dämmschicht zu minimieren, ohne den Tauwasserschutz zu gefährden. Für die Sanierung von Fachwerkgebäuden wird deshalb ein Grenzwert von sd = 2 m gefordert.

Die Absenkung des Temperaturniveaus in der Außenwand durch die Innendämmung und die damit einhergehende Verschlechterung der Trocknungsbedingungen lassen sich allerdings durch eine Anpassung des raumseitigen sd-Wertes nicht lösen. Hier muss dafür gesorgt werden, dass der Schlagregenschutz verbessert wird, will man nicht ein größeres Frostschadensrisiko nach der Dämm-Maßnahme in Kauf nehmen. In solchen Fällen bietet sich beispielsweise eine Fassadenhydrophobierung an.

 

Wärmebrückenproblematik

Eine nachträgliche Innendämmung führt bei niedrigen Außentemperaturen zu einer Absenkung der Temperatur der Außenwand. Da im Altbaubereich die Decken und Innenwände meist ohne thermische Trennung an diese Außenwand angebunden sind, ist damit in Außenwandnähe auch deren Temperatur zum Teil deutlich erniedrigt. Im nachfolgenden Bild ist dies am Beispiel einer angrenzenden Innenwand veranschaulicht. Die Innendämmung bewirkt unter den zugrunde gelegten Außenklimabedingungen eine Absenkung der Oberflächentemperatur auf der Innenseite des Mauerwerks auf etwa 4 °C. An der raumseitigen Dämmstoffoberfläche beträgt die Temperatur dagegen

17 °C. Bei einer Raumluftfeuchte von 50 % rel. Feuchte ergeben sich damit hier unkritische Oberflächenfeuchten von 60 %. Da die Innenwandoberfläche über die Außenwand abgekühlt wird, ergibt sich dagegen am Übergang zum gedämmten Bereich eine deutlich abgesenkte Oberflächentemperatur von lediglich 10 °C. Die Folge ist eine Oberflächenfeuchte von 95 %! Schimmelpilzwachstum ist damit vorprogrammiert. Dieses Problem kann, wie im linken Teil des Bildes gezeigt, durch eine Dämmung von Teilbereichen der Innenwand (bzw. Decke) gelöst werden. Dazu gibt es natürlich auch optisch ansprechende Dämmkeile.

Hohlraumfreie Applikation

Eine weitere Grundvoraussetzung für eine funktionierende Innendämmung ist das Vermeiden von Hohlräumen, in denen sich Kondensat bilden kann. Im Altbau entspricht das Mauerwerk selten den Anforderungen an plane Oberflächen gemäß DIN 18202. Da die

 Calciumsilikat-Dämmplatten starre Platten sind, ist zuerst ein planer Untergrund mittels des Lehmputzes zu schaffen. In diesen Untergrund werden die Platten mittels Lehmputz geklebt.

Auf dem Fachwerk verdübelt bilden die Platten eine stabile Konstruktion, die anschließend mit Lehmputz verputzt wird. Damit werden Hohlräume und ene Hinterströmung der Dämmplatten vermieden. Eine Kondensatbildung findet nicht statt.

Die im Lehmputz an der Putzoberfläche ermittelten Feuchtigkeiten berechnet nach WUFI bewegen sich im Normalfall in sehr engen Grenzen, die für den Baustoff Lehm unkritisch sind.